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Pankreatitis

Funktion des Pankreas (Bauchspeicheldrüse)

Die Bauchspeicheldrüse liegt zwischen Magen und Zwölffingerdarm und hat lebenswichtige Funktionen im Stoffwechsel und in der Verdauung. Man unterscheidet eine exokrine, die Verdauungsenzyme bildet (Langerhans-Inseln) und an den Zwölffingerdarm abgibt und eine endokrine, die für die Bildung von Insulin zuständig ist und dieses an das Blut abgibt.

Eine exokrine Drüse ist eine Drüse, die Sekrete durch einen Ausführungsgang in Hohlräume im Körper, z.B. Magen, Darm abgibt. Beispiele für exokrine Drüsen sind Speicheldrüsen, Leber, Schweißdrüsen.

Eine endokrine Drüse ist eine Drüse, die ihre Hormone ohne Ausführungsgang direkt ins Blut abgibt. Beispiele für endokrine Drüsen sind: Hirnanhangsdrüse, Schilddrüse, Nebenniere.

Der sogenannte Pankreassaft wird also im exokrinen Teil der Pankreas gebildet und enthält lebensnotwendige Enzyme, die Proteine, Fette und Kohlenhydrate aus der Nahrung spalten und für den Körper „nutzbar“ machen.

Enzyme sind Stoffe, die biochemische Reaktionen einleiten, beschleunigen oder lenken können. Fast alle Enzyme sind Proteine und haben wichtige Funktionen im Stoffwechsel, z.B. Verdauung.

Entzündung der Pankreas

Bei der Pankreatitis handelt es sich um eine Enzündung des exokrinen Teils der Bauchspeicheldrüse. Diese Entzündung kann akut oder chronisch verlaufen und wird histologisch (Gewebe betreffend) in zwei Formen eingeteilt:

Akute interstitielle und ödematöse Pankreatitis – mildere Symptomatik

Akute nekrotisierende Pankreatitis – meist schwere Verläufe mit tödlichem Ausgang

Interstitiell = dazwischenliegend

Dieser Ausdruck wird zur Bezeichnung von Geweben benutzt, die zwischen den eigentlich funktionstragenden Geweben liegen; aber auch zur Bezeichnung des Raums zwischen den Zellen.

Ödematös = geschwollen

Hier tritt Flüssigkeit aus dem Gefäßsystem aus und sammelt sich im interstitiellen Raum – Schwellung des Gewebes

Akut = plötzlich auftretend

Nekrotisierend = absterbend (lokaler Gewebstod)

Es gibt zwei Verläufe einer chronischen Pankreatitis:

  1. sie verläuft mit nur leichten Symptomen, mit krankhafter Vermehrung von Bindegewebszellen

  2. chronisch rezidivierend (immer wiederkehrend) mit permanenten Symptomen oder zeitweise symptomfreien Perioden im Wechsel mit klinischer Symptomatik

 

Die Auslöser der Bauchspeicheldrüsenentzündung bei Hunden ist häufig unklar, es gibt aber Risikofaktoren wie:

Eine Rassedisposition besteht für Boxer, Cavalier King Charles Spaniel, Cocker Spaniel, Collies und Yorkshire Terrier (Steiner, 2008)

Die Folgen der Pankreatitis ist eine Aktivierung von Verdauungsprozessen, die zu einer Selbstverdauung des Pankreasgewebes führen.

Häufig heilt eine mild verlaufende Pankreatitis ohne bleibende Schäden aus, doch sie kann auch in nekrotisierende Form umschlagen. Dies führt durch die Folgen der „Selbstverdauung“ – auch von umliegendem Gewebe – zu Komplikationen.

 

Symptome

Akute Pankreatitis: Hier werden vor allem Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall und Appetitlosigkeit beschrieben. Außerdem ist häufig das Allgemeinbefinden gestört.

Schwere Verläufe (akut, nekrotisierend): Das Tier kann sogar in ein Schockgeschehen geraten oder bekommt Atemnot durch Wasseransammlungen in der Lunge. Außerdem kann eine Gerinnungsstörung (disseminierte intravasale Gerinnung – DIG) auftreten, die unbehandelt ein multiples Organversagen verursachen kann.

Bei den chronischen Verlaufsformen sind die Symptome häufig unspezifisch. Im Gegensatz zu der mild verlaufenden Form (subklinischer Verlauf – klinisch nicht oder schwer erkennbar) ist bei schweren chronisch rezidivierenden (immer wieder aufflammenden) Entzündungsschüben zeigt das Tier phasenweise Schmerzen, Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Schwäche.

Diese lokalen (örtlich begrenzten) entzündlichen Nekrosen und eitrigen Fettgewebsentzündungen zerstören das Pankreasgewebe. Dies hat verschiedene mögliche Komplikationen zur Folge: Exo- und endokrine Pankreasinsuffizienz (eingeschränkte Funktion des Pankreas), Abszesse, Verklebungen, Pseudozysten (Zysten, die im Gegensatz zu echten Zysten aus narbigem Bindegewebe bestehen)

 

Diagnose

Bildgebende Verfahren wie Röntgen können nur einen Hinweis auf eine Pankreaserkrankung geben, bei Ultraschalluntersuchungen ist die Möglichkeit der sicheren Diagnose stark abhängig vom Gerät und der Erfahrung des Untersuchenden.

Am sinnvollsten ist es eine Blutuntersuchung machen zu lassen und folgende Werte zu kontrollieren:

Spec cPL (IDEXX Vet Med Labor) oder cPLI

 

Dies sind Methoden um die canine pankreasspezifische Lipase nachzuweisen, die über den Entzündungsstatus des Pankreas Auskunft gibt und nicht durch Nieren- oder Lebererkrankungen, Kortisongaben, u.a. beeinflusst wird.

 

Therapie

Das wichtigste bei einer Pankreatitis ist die Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten. Bisher ging man davon aus, dass auch ein Entzug der Nahrung bis das Tier mindestens 12 Stunden kein Erbrechen mehr gezeigt hat (Ruhigstellung des Pankreas). Allerdings gibt es inzwischen auch andere Meinungen hierzu.

Eine akute Entzündung des Pankreas ist eine sehr schmerzhafte Erkrankung, daher ist die Gabe von Morphinderivate wie Bupenorphin, Buprenovet, Butorphanol, Alvegesic notwendig. Alternativ ist auch Tramadol möglich.

WICHTIG: Nicht steroidale Antiphlogistika (zum Beispiel Wirkstoffe wie Carprofen = Rimadyl ®, Norocarp ®, Canidryl,...; Meloxicam = Metacam ®,...; Robenacoxib = Onsior ®; Phenylbutazon = Butadion ®, Phen-Pred ®,...; Cimicoxib = Cimalgex ®; Firocoxib = Previcox ®; Mavacoxib = Trocoxil ®) SOFORT absetzen. Genauso wie alle Kortisonpräparate! Diese Arzneimittel sind kontraindiziert bei einer Pankreatitis!

Bei starkem Erbrechen empfiehlt es sich Antibrechmittel (Antiemetika) zu geben.